Milch und Milchprodukte sind ein fester Bestandteil der europäischen Ernährung und kaum wegzudenken. Auf jedem Frühstückstisch sind die beliebten Milchprodukte wie Käse, Joghurt und Co. zu finden. Die Industrie verkauft die Milch und deren Produkte als wichtigen Grundpfeiler unserer Ernährung. Sie enthält viele Mineralstoffe wie Kalzium und ist reich an Proteinen.

Doch ist der Konsum von Milch wirklich so gesund?

Milch – Der Ursprung

Die Natur ist praktisch veranlagt. So hat die Natur eingerichtet, dass jede Säugetiermutter – nach der Geburt Ihres Säuglings – Milch aus «Eigenproduktion» herstellen kann.

Diese Milch dient der Sättigung des Nachwuchses und zwar solange, bis es in der Lage ist, mit Hilfe der eigenen Zähne Mahlzeiten der Erwachsenen mitzuessen. Ist es einer Mutter nicht bestimmt genügend Milch zu produzieren, so kommt eine Amme (ein Weibchen derselben Tierart) zu Hilfe.

Noch nie gab es dokumentierte Fälle, wo eine Amme eine andere Tierart war – bis der Mensch die Milch entdeckte und Kühe, Geissen und Schafe zu seinen persönlichen Ammen machte.

Der Mensch war demnach also nicht immer ein Milchtrinker. Den meisten Erwachsenen bereitete die Laktose vor wenigen Tausend Jahren noch erhebliche Bauchschmerzen. Erst vor gut 7’500 Jahren gewöhnten sich die ersten Europäer durch eine zufällige Genmutation an den Milchzucker.

Die Menschen wurden sesshaft und begannen die ersten Rinder und Ziegen zu melken. Dies war vor allem im nördlichen Europa ein grosser Vorteil. Durch die eisigen Winter war an eine ausreichende pflanzliche Ernährung nicht zu denken. Da kam das protein- und fettreiche Kaloriengetränk gerade richtig.

Regionen in denen die Viehzucht begann, vertragen auch heute noch die Milch wesentlich besser als zum Beispiel Afrika und Asien wo nur rund ein Prozent der Bevölkerung das angebliche «weisse Gold» vertragen.

Hat unser Nationalgetränk bald ausgedient?

Wohl kaum ein anderes Lebensmittel ist so umstritten wie die gute Milch. Die einen lieben sie, die anderen hassen sie.

Auch die Wissenschaft ist sich bis heute nicht einig ob die Milch nun gesund ist oder nicht. Fakt ist aber, dass immer mehr Menschen auf den Milchgenuss verzichten.

Vor knapp 70 Jahren konsumierten die Schweizerinnen und Schweizer pro Kopf noch über 230 Kilogramm Milch, im 2013 waren es noch 108 Kilogramm und seit 2018 sind es gerade noch 57 Kilogramm.

Wenn also Milch so gesund ist, warum verzichten Herr und Frau Schweizer immer mehr auf das Nationalgetränk?

 

Allergische Reaktionen bei Kindern auf das Milcheiweiss

Die Allergie auf Kuhmilch ist bei Säuglingen und Kleinkindern die häufigste Nahrungsmittelallergie.

Da das Immun- und Verdauungssystem bis zum achten Monat noch nicht voll entwickelt ist, können sie die Eiweisse nicht richtig abbauen bzw. verwerten. Typische Symptome sind Hautausschläge im Gesicht, Nesselfieber, Bauchkrämpfe oder Atembeschwerden.

Allergien und Unverträglichkeiten auch bei Erwachsenen

 

Der Milchzucker, oder auch Laktose genannt, kommt nur in der Milch vor. Er besteht aus den beiden Einfachzuckern Glukose und Galaktose. Da nur Einfachzucker vom Darm ins Blut aufgenommen werden kann, muss der Milchzucker mit Hilfe des Verdauungsenzyms Laktase in Glukose und Galaktose zerlegt werden.

Fehlt das Verdauungsenzym, so gelangt der Milchzucker direkt in den Dickdarm. Dort angekommen dient er den Bakterien als Nahrung. Dies setzt einen Gärungsprozess in Gang und führt zu Blähungen, Magenkrämpfen und Durchfall. Die Laktoseintoleranz hat heute einen pathologischen Stellenwert eingenommen, was so aber nicht ganz richtig ist.

Wie bereits oben erwähnt, war der Mensch nicht immer ein Milchtrinker. Nur Säuglinge entwickelten ein voll ausgeprägtes Verdauungsenzym für die Muttermilch. Dies nahm mit dem Älterwerden immer mehr ab, da man von der Muttermilch auf feste Nahrung umstieg. Es war also absolut normal, dass man als Erwachsener keine Milch und deren Erzeugnisse mehr verträgt. Erst durch die ebenfalls oben erwähnte Genmutation wurde es für den Menschen möglich auch als Erwachsener weiterhin Milchprodukte essen zu können.

Dass immer mehr Menschen eine Unverträglichkeit (also Normalzustand) entwickeln, ist ein Faktor der darauf schliessen lässt, dass Milch von anderen Säugetieren nicht für uns gemacht ist.

Allergie oder Unverträglichkeit?

Allergie

Eine Nahrungsmittel-Allergie beruht auf einer überschiessenden Abwehrreaktion des Körpers gegenüber an sich harmlosen pflanzlichen oder tierischen Eiweissen.

Geraten die Antikörper mit dem Allergen in Kontakt, wird umgehend eine typische allergische Reaktion ausgelöst. Oft genügen dafür schon kleinste Mengen des entsprechenden Nahrungsmittels.

Unverträglichkeit

Eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit (Nahrungsmittel-Intoleranz) liegt vor, wenn der Organismus die Fähigkeit teilweise oder ganz verloren hat, einen bestimmten Stoff zu verdauen – oder diese Fähigkeit gar nie besessen hat.

Der Körper bildet also keine Antikörper, sondern reagiert mit Beschwerden auf ein Nahrungsmittel. Geringe Mengen können jedoch häufig weiterhin ohne Beschwerden konsumiert werden.

Osteoporose trotz Milchkonsum

Befürworter der Milch sowie die Milchindustrie loben den hohen Kalziumgehalt der Milch. Wer also keine Osteoporose bekommen möchte, sollte möglichst viel vom Nationalgetränk trinken.

Spannend ist jedoch, dass die Zahl der an Osteoporose Erkrankten in Ländern wie Asien und Afrika aber viel niedriger ist als in Europa. Man bedenke: Alle «leiden» dort an einer Laktoseintoleranz.

Auch weitere Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes oder auch Krebs findet man deutlich weniger in diesen Ländern.

Zufall?

Osteoporose

Die Osteoporose ist eine schleichende Knochenerkrankung. Sie baut im ganzen Skelett Knochensubstanz ab und verändert die Struktur der Knochen: Sie werden porös, instabil und laufen Gefahr, bei geringer Belastung oder sogar ohne erkennbare Ursache zu brechen.

Als begünstigende Faktoren gelten ein Lebensstil mit wenig körperlicher Bewegung, ein Kalziummangel, eine Unterversorgung mit Vitamin D (ohne Vitamin D kann das Kalzium nicht genügend aufgenommen werden) und ein Mangel am weiblichen Sexualhormon Östrogen – weswegen überwiegend ältere Frauen an der Osteoporose erkranken.

Übermässiger Alkohol- und Nikotinkonsum gelten als Risikofaktoren für Männer und Frauen gleichermassen.

Milch – Da scheiden sich die Geister

Immer wieder tauchen Studien auf, die Milch mit einer Erhöhung an Krebs, Parkinson oder Diabetes in Kontakt bringen. Kontroll- oder neue Studien widerlegen die Erststudien dann wieder. Aber ist nicht schon die Tatsache, dass es solche Studien um die Milch gibt, Grund genug um darüber Nachzudenken ob uns die Milch wirklich gut tut?

Auch in der Komplementärmedizin ist die Milch stark umstritten. So berichten viele Therapeuten, dass die Neigung zu verstopfter Nase, Stirnhöhlenentzündungen, Bronchitiden und auch Neurodermitis wesentlich besser werden, sobald der Milchkonsum eingestellt wird. Auch werden Verklebungen des Organismus der Milch nachgeredet.

Alles Unsinn?

 

Milch hat auch Vorteile

Unbestreitbar ist, dass in der Milch viel Gutes steckt. Sie enthält fast alle essentiellen Aminosäuren (die der Körper selbst nicht herstellen kann und daher unentbehrlich sind) und lässt uns pflanzliches Eiweiss besser verwerten.

Milch liefert Kalium, Magnesium und Jod, fettlösliche Vitamine und mehr Kalzium als jedes andere Lebensmittel. Weiter dient die Milch als «Mast» gerade in Drittweltländern als schnelle und einfache Kalorienzufuhr.

Die Alternativen

Wer seinen Milch- und Milchproduktekonsum etwas einschränken möchte kann dies ohne grosse Einbussen tun. Es gibt super Alternativen, wie zum Beispiel Mandel-, Reis- und Sojamilch, welche auf pflanzlicher Basis sind.

Auch für Joghurt gibt’s mittlerweile pflanzliche Alternativen wie zum Beispiel Sojajoghurt. Um seinen Kalziumgehalt zu decken empfiehlt sich viel grünes Gemüse zu essen und Mineralwasser mit einem hohen Kalziumgehalt zu trinken.

Wer sich generell gesund, frisch und abwechslungsreich ernährt, hat beim Weglassen der Milch nichts zu befürchten.

Ob man nun Freund oder Feind von der Milch ist, muss jeder für sich selber entscheiden. Bis die Wissenschaft eindeutig sagen kann ob die Vor-, bzw. Nachteile der Milch überhand haben, dauert es wohl noch eine Weile.

Wer nicht auf die Milch verzichten will, sollte immer achtsam sein und gut auf die Reaktionen seines Körpers achtet.

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